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«Einfach nur verantwortungslos» - und die Polizei ist machtlos

Am Wochenende hat im Churer Welschdörfli Partystimmung geherrscht - als ob es Covid-19 nie gegeben hätte. Volle Lokale und volle Strassen hielten unsere Leser ebenso auf Trab, wie die Stadtpolizei. Die Meinungen dazu könnten unterschiedlicher nicht sein. Wir haben sie für Euch zusammengefasst. Und bei der Stadt und beim Kanton nachgefragt.

Südostschweiz
Montag, 29. Juni 2020, 14:11 Uhr Proppenvolles Welschdörfli
So sah es im Churer Welschdörfli in der Nacht auf Sonntag aus.
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Die Bilder vom Samstagabend aus dem Churer Welschdörfli haben aufgeschreckt. Mehr als 350 Kommentare gab es auf unseren Facebook-Post. Die Mehrheit der Schreibenden zeigen sich dabei überrascht bis schockiert.

Ruth Lentini schreibt: «Das Foto ist wirklich echt. Ich habe ein privates Video vom gleichen Ort und Zeitpunkt gesehen. Es ist einfach traurig, […] die wenigsten halten sich an Abstand.»

Susanne Gähler-Eberle schreibt: «Die Leute kapieren es nicht, haben das Gefühl, die Normalität sei zurück gekehrt. […] Es wird sicher eine zweite Welle kommen.»

«Die Leute kapieren es nicht.»

Flurina Luna Strässle beispielsweise schreibt: «Die Schweiz hat rechtzeitig reagiert und darum viel Leid erspart. Nun würden Verschwörungstheoretiker alles in Frage stellen.»

Monique Lüscher schreibt: «Als ob es kein Morgen gäbe. […] Einfach nur verantwortungslos.»

«Einfach nur verantwortungslos.»

Deutlicher wird Mirco Nobili, wenn er schreibt: «Die Blödheit der Menschen ist nahezu unglaublich […]

Und Sarah Schilling schaut in die Zukunft: «Jammert nicht rum, wenn ihr wieder in Kurzarbeit geschickt werdet und Läden und Kino schliessen oder Eure liebsten an Covid-19 leiden.»

Anna Berger macht sich ernsthaft Sorgen, wenn sie schreibt: «Das macht mir Angst. Ich arbeite in Chur mit anderen Menschen zusammen. Ich hab zu Hause jemanden, den ich höchstwahrscheinlich umbringe, wenn ich ihn anstecke.»

«Das macht mir Angst.»

Corina Hediger fasst das Geschehen kurz zusammen: «Ignoranz und Arroganz, das wohl noch schlimmere Virus in Zeiten wie diesen.»

Und Urs Oeschger Fazit lautet: «Kopflos und dumm,»

Etwas Verständnis zeigt Florian Klebs, wenn er schreibt: «Kein Wunder. Um Mitternacht werden alle Ausgänger auf die Strasse gestellt.»

Und Ra Mona meint: «Diese Menschenansammlung konnte man durch Nebengassen umgehen und damit den vorgeschlagenen Abstand einzuhalten. Man kann sich gut schützen, wenn man auf sich selbst achtet.

Aber es gab nicht nur Kritik an den Partygängern. So fragt zum Beispiel Alida Ritsch: «Wieso hoffen, dass jeder diese App will?! Man sollte Anfangen den Menschen ihr Leben und Grundrechte zurückzugeben und sie in Ruhe lassen!»

Und weiter gibt es auch Forderungen: Petra Steimen beispielsweise findet: «Hier sollte man eingreifen und so schnell als möglich eine Abstimmung machen. Entweder man haltet die Vorschriften ein  […] oder man bezieht beim Staat kein Geld mehr […] 

Und was sagt die Stadt Chur zu diesen Bildern? Nach vergangenem Wochenende wolle man mit einem Massnahmepaket auf die Situation reagieren. Dies teilte die Stadt Chur in einer Medienmitteilung mit. Die Aussengastwirtschaften von Betrieben mit längeren Öffnungszeiten würden auch ausserhalb der Altstadt um eine Stunde von 24.00 Uhr bis 01.00 Uhr verlängert. Ausserdem soll der Zugang anzahlmässig eingeschränkt werden, falls sich im Welschdörfli grössere Personenansammlungen abzeichnen würden. Damit soll generell die Zirkulation von Personen in der Innenstadt vermieden werden.

Kantonsärztin Martina Jamnicki sagte im Interview mit Radio Südostschweiz, dass sie sich nach einem arbeitsintensiven Wochenende grosse Sorgen macht: «Ich habe die Bilder mit Besorgnis gesehen. Ich mache mir grosse Sorgen und bezeichne das Verhalten als verantwortungslos, als ob nichts gewesen wäre.» Jamnicki hofft, dass es nicht viele Kranke braucht, um die mögliche zweite Welle abzuwenden. Aber alleine am Wochenende gab es sechs Isolationen und 70 Quarantäne-Fälle in Graubünden – alle wegen Party, so Jamnicki. Die Fälle würden zwar nicht Chur betreffen, sondern Leute, die sich ausserhalb des Kantons aufgehalten haben.

Weiter ist Jamnicki überzeugt, dass die Lockerungen des Bundes zu früh gekommen sind. Und die Schutzkonzepte nicht wirklich umgesetzt werden. Es ist nicht das Problem, wenn beispielsweise 300 Leute in einem Saal sind. Aber wenn sie Schulter an Schulter zusammenstehen, kann es gefährlich werden. Laut der Kantonsärztin prüft der Kanton weitere Massnahmen. «Das Verhalten jedes einzelnen ist wichtig. Nur so können wir es verhindern, dass wieder Verbote ausgesprochen werden», so Jamnicki abschliessend.

Rechtlich kann die Polizei nach den erneuten Lockerungen lediglich Veranstalter betreffend Nichteinhaltung der Schutzkonzepte belangen (beispielsweise Distanzwahrung, Maskenpflicht, Kontaktdaten). Weitere Schritte wie beispielsweise eine allfällige Schliessung von Lokalen werden derzeit nicht geprüft. Insbesondere auch, weil in Lokalen keine grösseren Probleme festgestellt wurden.

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