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Gartmann: «Die Vermutung einer Kollision der Flugzeuge liegt nahe»

Gartmann: «Die Vermutung einer Kollision der Flugzeuge liegt nahe»

Die Ermittlungen zum Absturz der beiden Flugzeuge oberhalb von Bivio sind im Gange. Krisenmanager Christian Gartmann vertraut auf die Arbeit der Sust – und äussert erste Vermutungen.

Simone
Zwinggi
vor 1 Monat in
Ereignisse
Tragisch: Oberhalb von Bivio sind am Samstag zwei Flugzeuge abgestürzt.
KANTONSPOLIZEI GRAUBÜNDEN

Zwei Flugzeuge sind am Samstagabend oberhalb von Bivio abgestürzt: ein Motorflieger und ein Segelflugzeug. Der Pilot des Segelflugzeuges sowie alle vier Passagiere des Motorfliegers (ein Pilot, zwei Erwachsene und ein Kind) sind dabei ums Leben gekommen. Nun untersucht die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) den Unfallhergang. 

Roman Rüegg, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden, beschreibt gegenüber Radio Südostschweiz die aktuelle Situation rund um den Flugunfall: «Die Wrackteile sind in der Zwischenzeit abtransportiert worden, damit die Sust mit den Untersuchungen beginnen kann.» Die Kantonspolizei selbst sei noch mit der formellen Identifikation der Todesopfer beschäftigt. Erst wenn diese abgeschlossen sei, könne die Polizei weitere Angaben zum Unfall beziehungsweise zu den Unfallopfern kommunizieren.

Angaben zu den Unfallursachen und dem Unfallhergang werde die Sust zu einem späteren Zeitpunkt machen können, so Rüegg. «Üblicherweise dauert es bis zur Veröffentlichung des Vorberichts der Sust ein paar Monate.»

«Vermutung einer Kollision liegt nahe»

Wie es zum Absturz der beiden Flugzeuge kommen konnte, sei noch nicht bekannt, sagt Christian Gartmann gegenüber Radio Südostschweiz. Er war als Kommunikationsbeauftragter bereits mit mehreren Flugunfällen beschäftigt, so auch beim Absturz der Ju-52 im August 2018. Das Gebiet bei Bivio sei eine häufig beflogene Route mit Start oder Ziel im Engadin. «Weil die beiden Abstürze aber örtlich und zeitlich sehr nah beieinander passiert waren, liegt die Vermutung nahe, dass es vorgängig zu einer Kollision gekommen war.»

Kleinere Flugzeuge würden üblicherweise auf Sicht fliegen, erklärt Gartmann weiter. Das bedeutet, dass die Pilotin oder der Pilot seine Fluglinie mit dem Blick aus dem Fenster kontrolliert. Je nach Zusammenspiel von Kulisse und Farbe des Flugzeugs sei dieses für andere Piloten nicht so gut zu erkennen. «So ist beispielsweise ein weisses Flugzeug vor einem Schneefeld nicht gut ersichtlich, oder ein graues Flugzeug vor einem Felsen.»

Obschon es normal sei, auf Sicht zu fliegen, hätten einzelne Kleinflugzeuge ein System zur Verhinderung von Kollisionen (Flarm) eingebaut. «Doch ob ein solches System zum Standard erklärt werden soll, darüber scheiden sich die Geister», sagt Gartmann. Mit einem solchen System seien die Piloten versucht, nur noch auf den Bildschirm statt aus dem Fenster zu schauen – was gemäss Gartmann gefährlich ist.

Gartmann ist überzeugt von der gründlichen Arbeit der Sust. «Wenn es etwas zu finden gibt, was Aufschluss über die Unfallursache und den Unfallhergang gibt, wird die Sust es finden.» Hinweise auf eine Kollision könnten Farbspuren am Flugzeugrumpf vom jeweils anderen Flugzeug sein. Auch wenn Flugzeugteile abseits des Absturzortes gefunden würden, sei das ein Indiz für einen Zusammenstoss in der Luft. Bis solche Details bekannt sind, braucht es noch etwas Geduld. Doch in fernerer Zukunft werde die Sust bekannt geben können, was zum tragischen Unfall geführt habe, sagt Gartmann.

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